Sleeve Notes:

 

Wir standen auf einer Ausstellungseröffnung herum, redeten über Münchens Straßenbahnlinien und fragten uns, warum die schönsten Mitschülerinnen heute mit den fragwürdigsten Männern ausgingen. Bevor sich Bernd Hartwich verabschiedete, um sich ein Fußballspiel im Fernsehen anzusehen, fragte er mich noch, ob ich nicht den Hüllentext für die neue LP der Merricks schreiben möchte. Ich sagte sofort zu! Es war Bernds älterer Bruder Frank gewesen, der mich 1988 (rund zwei Jahre, bevor ich diesen als Sänger seiner eigenen Band "BLUME" an den Deckenrohren der Kulturstation hängen sah) in Peter Wachas hiermit empfohlenem Optimal-Plattenladen darauf angesprochen hatte, ob ich nicht Lust hätte, die erste Platte der Merrickszu produzieren.

Nun hatte mich der circa siebzehnjährige Bernd als Mitglied einer mitreißenden Tanzkapelle der mittlerweile längst abgerissenen Alabamahalle begeistert; später hatte ich ihn als MC einer Countryrock-Hobbyband wiedergesehen (die Band war mäßig, Bernd aber großartig gewesen). Und endlich hatte ich die vieldiskutierten Merricks selbst (im Münchner Vorprogramm Jonathan Richmans) live gesehen! Sie hatten mir auf Anhieb äußerst gut gefallen (brauchten nur noch das Deutsche zu erlernen). Also hatte ich eingeschlagen, und schon bald hatten wir an einem Wochenende in einem kleinen Landshuter Studio MERRICKS IN AMERIKA eingespielt sowie abgemischt, die dann 1989 auf Wachas SubUp Label als 12-inch-EP erschien.
Kurz darauf (und viele Nachmittage, an denen wir die Schallplatten NRBQ's, Harry Nilssons, Herb Alperts und Jerry Jeff Walkers durchgehört hatten, später) hatten wir uns schon wieder im Studio befunden, diesmal an Münchens belebter Landsberger Straße, um jenes Album aufzunehmen, mit welchem die Merricks deutsche Popgeschichte schreiben sollten: MERRICKS IN UNSERER STADT (SubUp 1990). Von den damaligen festen Bandmitgliedern sind auf jener Platte nur noch der siebenbürger Sänger und Gitarrist Günther Gottschling, Bernd Hartwich und als Gäste die Bläser Jürgen Rippe und Martin Fengel dabei. Salewski und Carl Oesterhelt (auf dem letzten Album noch in der Gästerolle) haben ihre Instrumente getauscht, so da? ersterer (man konnte ihn während der frühen achziger Jahren schon bei "Huba Huba Hopp" erleben) jetzt bei den Merricks trommelte, letzterer (der heute bei FSK schlagzeug spielt) das Merricks-Klavier übernommen hat. Noch nicht auf der letzten LP zu hören war Hannes Polta (ihn lernte ich kennen, als er Michaela Melián ihren italienischen Eko-Baß abkaufte).

Bernds Eltern räumten eine Raum ihrer renomierten Ferseh/Radio/Phono-Werkstatt leer, und die Merricks errichteten darin ihr eigenes Radio Hartwich Studio. Dutzende neuer Lieder, die in den vorangegangenen Monaten geschrieben worden waren, wollten aufgenommen werden! Gäste wurden ins Studio bestellt, Bernd selbst bediente die Regler am Mischpult. Das Resultat: Hit Galore! Die Merricks haben ihre Sache klasse gemacht! (Und die deutsche Elf hat die schottische in einem, wie mir Bernd heute Morgen versicherte, unterhaltsamen Spiel mit 1:0 besiegt)

THOMAS MEINECKE
Radio-Disc-Jockey, München

 

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