Merricks - The Sound Of Munich

LP/Digipak CD   - SUBLP/CD30
EFA 15550-1/2   «97  

 

 

 Shine On, Oh Mighty Schwabylon. May The Sound Of Munich Be With You!  

Das bis dato erfolgreichste Merricks-Album. Sehr schönes Cover von Moritz Rrr, der das Schwabylon-Foto von dem Architekten selbst, Dr Justus Dahinden, erhielt. Das Schwabylon war eine Art Freizeit-und Einkaufspalast für junge Menschen mit Schwimmbad, Discothek, Boutiquen etc...Angeblich verfügte das gesamte Gebäude über keine Treppen, sondern nur über schräge Auf-und Abgänge. Leider wurde es von der Bevölkerung Münchens nicht so recht angenommen, wahrscheinlich aufgrund der etwas dezentrierten Lage und den (nach Dr Dahinden) hohen Mieten (so viel Geld hatten die jungen Schwabinger in den 7ties wohl noch nicht...), woraufhin der baldige Abriß des Gebäudes folgte. Tatsächlich rückte das Schwabylon durch das The Sound Of Munich-Cover 1998 immerhin wieder in das Bewußtsein einiger Münchener Architekturstudenten (wurde mir zumindest berichtet).

Auch unsere Stücke auf TSOM gehen teilweise spielerisch mit Elementen der 70er Jahre Tanzmusik um, aber die Vermutung Harold Faltermeyers (im Zündfunk-Interview), wir hätten auf dem Album Giorgio Moroder gesampelt, geht natürlich etwas weit.

Samples haben in der Merricks-Musik aus bestimmten Gründen ohnehin keinen zu hohen Stellenwert, zum anderen war Giorgio Moroder gar kein großer Einfluß zu TSOM (ehrlich gesagt lernte ich die wirklich aufregenden Moroder-Produktionen wie E=mc_ oder Einzelgänger erst später kennen und war dann um so mehr überrascht, daß wir da recht nahe dran waren; Vocoder und so...), viel wichtiger waren damals (für mich jedenfalls) die legendären Smylonylon-Tapes, italienische Disco 7"s, die ich aus einem Second-Hand-Laden in der Schleißheimer Str. zog, E.L.O., Buggles, Flash & the Pan, aber auch Roxy Music und Brian Eno (Un Poco De Plop,), neben der ganzen tollen anderen Musik, die man sowieso immer hört. Die gesamte Platte wurde übrigens von Albert Pöschl in unserem Übungsraum in Oberföhring aufgenommen. Die Idee, das Booklet in so einer Art Laura Ashley-Stil zu halten, kam von Moritz. Das Bandfoto entstand in einem Laden gegenüber seiner Wohnung, der einige Wochen später vom Erdboden verschwand...

Eine nette Idee aufgrund des Albums hatte der Journalist Gero Günther, als wir im WOM-Journal Fragen an Amanda Lear stellen durften und diese in ihren Antworten u.a. zugab, daß sie in Schwabing am liebsten in den Wienerwald ging.

Bernd Hartwich