Merricks - Escape from Planet Munich

 

Uber das Album, von David Baalcke
Infotext & Pressesammlung
 


Manifest einer "Neuen Seltsamkeit"

Zwei Jahre sind seit der Veröffentlichung des bis dato erfolgreichsten MERRICKS Albums THE SOUND OF MUNICH vergangen. Die gekonnte Verbindung von klassischen Pop-Songs und Munich Disco-Anleihen brachte der Band zahlreiche neue Freunde und Möglichkeiten: so durften sie unter anderem die legendäre Amanda Lear für ein großes deutsches Musikmagazin interviewen und bekamen endlich den verdienten Plattenvertrag in Japan.

ESCAPE FROM PLANET MUNICH: das kongeniale Cover-Artwork von ex-Der Plan-Mitglied Moritz R. gibt einem bereits die (wahrscheinlich bestmögliche) Idee über den musikalischen Schritt, den die MERRICKS zwischen THE SOUND OF MUNICH und ESCAPE FROM PLANET MUNICH vollzogen haben:
während die futuristische 70er Jahre Architektur des Münchner Schwabylons das Cover des letzten Albums dominiert hatte, ist diesmal die Silhouette des Münchner Olympiazentrums nur noch in weiter Ferne auszumachen. Im Vordergrund steht jetzt eine mysteriös anmutende (MERRICKS-)Welt und an deren Grenze drei, wie Palastwächter wirkende Tiki-Figuren. Man darf sich als Hörer oder Hörerin von ESCAPE FROM PLANET MUNICH getrost in den Fahrer der unrealistischen roten Limousine versetzen, der, angezogen von dieser geheimnisvollen Szenerie, ohne Eile in Kommunikation mit dieser verheißungsvollen Welt treten will.

Auf ESCAPE FROM PLANET MUNICH verbinden sich die sonderbaren Anteile des MERRICKS’schen Frühwerks (Bläser-Sätze!) mit der klaren Pop-Orientierung von THE SOUND OF MUNICH. Nach der "Intro"-Reminiszenz an "Schwabing Girls" eröffnet die FSK-Coverversion "Move Ahead" das Album schon fast programmatisch: "Move Ahead. And your ass will follow". "Let’s Get Stupid" dreht sich um die nur auf den ersten Blick paradox anmutende Konstruktion einer nicht-dummen Dummheit (wenn man will, eines der Hauptthemen der Platte) und ist musikalisch ein klassisches Stück Merricks-Pop. Das Instrumental "Nenn’ es nicht Liebe" wird von einem bedrohlichen Telefon-Klingeln durchzogen und bringt die düster-psychedelische Seite der MERRICKS ans Tageslicht. In "Ne Travaillez Jamais" zitiert der französische Popstar Ariel Wizman einen situationistischen Slogan und appelliert an die Jugend der Welt, die Arbeit niederzulegen.
"Slacker’s Paradise" sagt ein Stück davor (instrumental) etwas ähnliches. Das stoische "Rock Espacial" bekräftigt in eindringlichem Spanisch den Anspruch der MERRICKS, zeitgenössische Popmusik zu machen, die sich nicht in irgendwelchen Retro-Kategorien erschöpft. Im letzten Stück "Grauesel Nr.17" mutiert die Trauer um den vom Aussterben bedrohten andalusischen Esel mit einem sehnsüchtigen, durch den Vocoder gehauchten "Und ich wollt du wärst hier" zu einem allgemeingültigen Liebeslied: das ergreifende Ende einer Platte, die es verdient hätte, als Manifest einer "Neuen Seltsamkeit" in die Geschichte einzugehen.

Und allen, die sich nach mehrmaligem Anhören von ESCAPE FROM PLANET MUNICH noch immer fühlen wie der Fahrer der roten Limousine auf dem Frontcover sei versichert: selbst wenn das Gespräch an der Mauer ihm möglicherweise nie endgültige Einsicht in die seltsame Welt dahinter geben wird: er wird nicht anders können, als seinen Wagen immer wieder an diesen Ort zu lenken...